Das erste Schuljahr 2010 Schulbücher und Lernspiele Rohit Pradhan, Julee Pradhan (1. Vorsitzende DUCES) und Stephanie Lücking besuchten im Sommer 2009 einen Schulbuchverlag (EKTA) und ein Geschäft für Schulbedarf. Überraschend war die große Auswahl an Schulbüchern und Plakat- /Kartenmaterial und die gute Druckqualität. Rohit Pradhan und die Lehrerinnen trafen gemeinsam eine sinnvolle Auswahl. Auch das Angebot an Lernspielen (Holzbuchstaben, Puzzle, Domino, usw.), Außenspielgeräten (Rutschen, Schaukel, Wippe, Plastikautos) und Schulmöbeln hat überzeugt. Anmeldung und Eröffnung Das Schulprogramm wurde von Rohit Pradhan gemeinsam mit den Lehrerinnen erstellt. Ab November 2009 konnten Eltern ihre Kinder in unserer Schule anmelden. Unsere Schule eröffnete am 01.03.2010 (Schuljahresbeginn in Darjeeling). 21 Kinder im Alter von 2 - 4 Jahren besuchen die Nurserygroup bzw. Playgroup. Es stehen zuerst einmal 5 Räume zur Verfügung. Der größte Raum ist für die „Nurserygroup/Playgroup bestimmt, um genügend Platz für Spiele zu bieten. Zukünftig möchten wir eine Grundschule mit 8 Altersstufen anbieten: Pre-Nursery bzw. Playgroup (ab 2,5 Jahren) Nurserygroup (ab 3 Jahren) Lower Kindergarden (ab 4 Jahren) Upper Kindergarden (ab 5 Jahren) Klasse 1-4 Zusammensetzung der Schüler Unsere Schule soll (finanziell) benachteiligte Familien unterstützen, ihren Kindern eine gute Schulausbildung zu ermöglichen, um aus dem Kreislauf der Armut auszubrechen. Außerdem wollen wir natürlich besonders den Kindern helfen, die durch besondere Umstände chancenlos sind (z.B. Waisen, verwahrloste Kinder). Wir möchten dieses Ziel verwirklichen, indem von den Familien niedrige Schulgebühren bezahlt werden müssen bzw. die Familien bei Bedarf einen Zuschuss durch unseren Verein (über einen Schulfond) erhalten. Außerdem suchen wir für besonders bedürftige Familien und Kinder, denen es nicht möglich ist, einen Eigenanteil zu leisten, „Paten“, die die Schulausbildung dieser Kinder finanziell übernehmen (siehe Schulpatenschaft). Durch die angestrebte Mischung von Kindern, die über unseren Verein finanziell unterstützt werden und Kindern, deren Eltern die Schulgebühren selbst tragen können, hoffen wir außerdem, dass wir ein Miteinander von Angehörigen unterschiedlicher sozialer Schichten bzw. Kasten fördern können. 1. März 2010: Unsere Schule ist eröffnet ! Vor einem Jahr im Februar 2009 feierte Rohit Pradhan mit Pfarrer Rev. Rupert, seiner Familie und Freunden die Grundsteinlegung. Am 01. März 2010 erlebten 21 Kinder im Alter von 2,5 bis 4 Jahren ihren ersten Schultag in der St. Anthonys School. Um 9.30 Uhr läutete zum ersten Mal die Glocke zu Beginn des Schultages. Rohit Pradhan begrüßte die Eltern, Lehrerinnen und die neuen Schulkinder, die in ihrer Schuluniform erschienen waren. Rohit Pradhans Schwager, ein evangelischer Pfarrer, war aus Mirik (ca. 2 Stunden Fahrt von Darjeeling entfernt) gekommen, um Gebet und Segen zu sprechen. Anschließend hielt Rohit Pradhan und die Lehrerin, Frau Basnet, eine Rede. Dann kam für die Kinder der spannendste Moment: Endlich durften die Spielgeräte wie Rutsche, Schaukelpferde usw. auf dem Schulhof ausprobiert werden. Und später verteilte Julee Pradhan (1. Vorsitzende unseres Partnervereins DUCES) an jeden Schulanfänger einen Riegel Schokolade. Offizielle Schuleröffnungsfeier am 01. April 2010 Anfang April konnten fünf Gründungsmitglieder und sechs Schulpaten unsere (noch nicht ganz fertiggestellte) St. Anthony‘s School in Darjeeling bewundern und es kamen vor Freude die Tränen. Keiner hätte zu träumen gewagt, dass wir gemeinsam mit unserem Partner Rohit Pradhan nach ca. einem Jahr Bauzeit ein Schulgebäude mit 5 kleinen Klassenräumen eröffnen und 21 Schulkinder begrüßen können. Seit dem 01. März findet der reguläre Schulbetrieb in zwei Kindergartenklassen statt. Besonders in den letzten Wochen leistete das Team in Darjeeling unvorstellbare Arbeit. Unser Partner Rohit Pradhan erklärte oft, dass jeden Morgen neue Energie vorhanden war, um dem Ziel ein Stück näher zu kommen. Und wenn man in die Gesichter der Kinder schaut, die das Spielen mit Wippe und Rutsche genießen dürfen und die Eltern trifft, die die Fotos der Paten in den Händen halten und ihr Glück über die finanzielle Unterstützung nicht fassen können, wissen wir, wie sehr es sich lohnt, auch in Zukunft mit ganzer Kraft für dieses Projekt einzutreten. Am 01. April fand die offizielle Eröffnungsfeier mit ca. 60 Gästen statt. Rohit Pradhan und Stephanie Lücking gaben noch einmal gemeinsam den Eingang zum Schulgebäude frei und die elf europäischen Gäste durften anschließend das Banner der St. Anthonys School enthüllen. Die Kinder und auch die Erwachsenen schenkten die traditionellen Schals als Symbol des Danks und der guten Wünsche und dann folgten Segenswünsche von Frau Pradhan (Rohits Mutter), Dankesreden von Frau Basnet (Lehrerin), Rohit Pradhan und einem Politiker aus der Umgebung. Uns wurde deutlich, dass unser Schulprojekt auch in der Bevölkerung angenommen und geschätzt wird. Auch Stephanie Lücking hielt eine Rede in Nepali, die von Tika Bogati, (einem nepalesischen Freund, der in Deutschland wohnt) für unsere Gäste aus Holland und Deutschland in Deutsch übersetzt wurde. Höhepunkt der Veranstaltung war jedoch der Auftritt unserer 21 zwei- bis vierjährigen Schüler. Sie hatten mit großem Eifer mit ihren Lehrerinnen innerhalb der ersten drei Schulwochen Gesang und Tanz eingeübt und präsentierten dies auf der Bühne. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde die Nationalhymne gesungen. Wir möchten uns nun noch einmal an dieser Stelle bei allen bedanken, die uns mit Spenden unterstützt haben, so dass wir unsere Idee in solch einer kurzen Zeit verwirklichen konnten. Wir hoffen, dass wir weiterhin Menschen finden, die uns auf unserem weiteren Weg unterstützen, damit wir die Abschlussarbeiten erledigen können und der laufende Schulbetrieb zukünftig gesichert werden kann. Unser Wunsch ist es, dass wir immer mehr bedürftigen Kindern helfen können, aus dem Kreislauf der Armut auszubrechen, indem sie durch eine gute schulische Bildung für ihr zukünftiges Leben stark gemacht werden und einen Platz in der Gesellschaft finden, der es ihnen später ermöglicht, auch ihre Herkunftsfamilie zu unterstützen. Baumpflanzaktion im Juni 2010 Jedes Jahr findet in Darjeeling in der Monsunzeit eine "Woche der Umwelt" statt. Unsere Schule beteiligte sich daran, indem die Kinder mit Hilfe der Lehrerinnen Plakate erstellten und in der Nähe der Schule einen Pfirsichbaum, einen Birnbaum und zwei Laubbäume pflanzten. Nach der Pflanzaktion gab es für jedes Kind eine Banane und Kekse. September\Oktober 2010 Ende August brachen Stephanie Lücking (1. Vorsitzende) und Leonhard Kleinschmidt (Student der Sonderpädagogik) Richtung Darjeeling auf. Leonhard Kleinschmidt arbeitete im September 2010 vier Wochen als unser erster Volontär an unserer Schule (Erfahrungsbericht). Stephanie Lücking hatte im Rahmen ihres Sabbatjahres im September\Oktober 2010 die Möglichkeit, vor Ort in Darjeeling zu sein, um die Schüler zu erleben und mit Lehrerinnen, Schulleiter und dem Vorstand unseres Partnerverein DUCES über zukünftige Entwicklungen zu sprechen. Ausführliche Gespräche mit Rohit Pradhan (Schulleiter und Geschäftsführer unseres Partnervereins) über das Schuljahr 2011 Seit Oktober 2010 lief die Anmeldung für das neue Schuljahr, dass am 7. März 2011 begann. Lehrerinnen und Erzieherinnen besuchten im September die Häuser der Umgebung, um über die Schule zu informieren. Im Dezember 2010 hatten sich schon einige Eltern zur Anmeldung ihrer Kinder entschieden, die die Schulgebühr komplett oder anteilsmäßig bezahlen können. Die Bedingungen (z.B. engagierte Lehrerinnen und Schulleitung, gutes Gebäude, Spielzeug, Krankenversicherung für die Kinder) sind sehr gut und unsere Schulgebühr ist im Verhältnis zu anderen Schulen in Darjeeling sehr niedrig. Unsere Idee ist es ja, eine Mischung zwischen „Selstzahlern" und Familien, die nicht selbst über die finanziellen Mittel verfügen, herzustellen. Eine der schwierigsten Aufgaben für Rohit Pradhan ist es, die Entscheidung zu treffen, welche Kinder unterstützt werden sollen. Er wird es wie im letzten Jahr machen: Zuerst werden alle Angaben über die Familien gesammelt. Dann werden Ende Februar die Familien in ihren Wohnungen (in Deutschland würden wir es wohl eher als Hütten oder Schuppen bezeichnen) aufgesucht, um sich vor Ort ein Bild von den Lebensverhältnissen zu machen (siehe Schuljahr 2011, Februar). Wir möchten gern eine neue Prenursery-Klasse (Kinder im Alter von 2,5 bis 3 Jahren) bilden und die anderen Klassen (Nursery und Lower Kindergarden) bei Bedarf auffüllen. Wir haben uns entschieden, die Zahl von 15 Schülern pro Klasse nicht zu überschreiten. Für das nächste Schuljahr benötigen wir also mindestens eine neue Lehrerin. Im Dezember wurden die Bewerbungsgespräche geführt, wobei zwei von neun Bewerberinnen in die engere Auswahl kamen. Im nächsten Jahr soll außerdem eine (Hausaufgaben-) Betreuung für die Schüler stattfinden, da ein großer Anteil der Eltern weder schreiben noch lesen kann und es ihnen somit nicht möglich ist, ihre Kinder in dieser Hinsicht zu unterstützen. Zeitgleich soll ein Alphabetisierungskurs für interessierte Eltern angeboten werden. Für das kommende Schuljahr gibt es schon folgende feste Termine: - Schuljahresbeginn am 07. März - Halbjahresexamen Anfang Juli - Umwelttag (Baumpflanzaktion) im Rahmen der Forestry Week am 14. Juli - Schulausflug - Teachers Day am 5. September - Endexamen Anfang Dezember - Weihnachtsfeier - Blutspendetag (Eltern) Austausch mit den Lehrerinnen Leonhard Kleinschmidt und Stephanie Lücking besuchten täglich die Schule und unterstützten die Lehrerinnen bei der Arbeit bzw. führten neue Übungen und Spiele ein. Hier in Indien werden die Kinder schon im Alter von 2,5 bis 3 Jahren nach einem Lehrplan unterrichtet, der die Bereiche Zahlen, Buchstaben, Farben, Reime, Sprachübungen umfasst. In diesen Bereichen wird die englische Sprache eingeführt. Es gibt wie bei uns in der Schule einen festen Stundenplan und die Kinder sitzen zeitweise an Tischen und bearbeiten ihre Aufgaben in Heften und Büchern. Daneben liegt ein weiterer Schwerpunkt im Auswendiglernen von Reimen und Liedern, die mit Bewegungen untermalt werden. Da wir in der glücklichen Lage sind, einen großen Schulhof zu haben, leiten die Lehrerinnen auch oft Bewegungsspiele draußen an. Highlight für die Kinder ist die tägliche Spielpause nach der Frühstückspause, wo sie mit Wippe, Schaukelpferd, Rutsche usw. spielen können. Das Unterrichten der Lerninhalte mit wöchentlichen Überprüfungen und Halbjahres- und Endexamen ist für uns in Deutschland fremd und für die meisten wohl eher abschreckend. Wenn man jedoch längere Zeit vor Ort ist und erlebt, mit welch einer Motivation und Disziplin die Kinder Zahlen und Buchstaben lernen und ganz selbstverständlich nach der Schule ihre Hausaufgaben erledigen, kommt man ins Nachdenken. Wir waren jedenfalls tief beeindruckt. Von Anfang an stand für uns fest, dass wir nicht bestimmen möchten, wie der Unterricht hier abzuhalten ist. Wir nutzten vielmehr die Gelegenheit, uns mit Schulleitung und Lehrerinnen insbesondere über Unterrichtsmethoden und Zeugnisse auszutauschen und Spielideen vorzustellen. Vielleicht werden die Lehrerinnen einige Anregungen aufgreifen und weiterführen. Highlights im September 2010 Spiel und Spaß Jeden Tag versuchten Leonhard Kleinschmidt und Stephanie Lücking, ein neues Spiel einzuführen. Besonders viel Spaß hatten die Kinder bei den Übungen mit dem Fallschirmtuch. Werkunterricht Leonhard bastelte mit den Kindern aus einer Plastikflasche, Bambusstäben und Schraubverschluss ein Auto im Rahmen des Werkunterrichts. Sandkasten Der Sandkasten konnte nach viertägiger Bauzeit eingeweiht werden. Noch einmal ein Dank an die Personen, die uns Sandspielzeug geschenkt haben. Wir entschieden uns, die Kinder erst einmal nur vom Rand aus spielen zu lassen, um sich an die Regeln (nicht mit Sand werfen) zu gewöhnen. Doch die Sorge um eine Missachtung der Regeln war völlig unberechtigt. Die Kinder spielten friedlich mit Förmchen und Schüppen. Was wir aber nicht bedacht hatten: Der Sand ist sehr grobkörnig und es ist nicht einfach, die kleinen Hände und Gesichter und die Kleidung wieder sauber zu bekommen. In Zukunft wird der Freitag als fester Tag ausgewählt, an dem im Sandkasten gespielt werden darf. Denn Samstag ist bei den meisten Familien (so hofft zumindest unser Schulleiter) Badetag. Teachers Day Am 5. September wurde der Teachers Day gefeiert. Dieser Tag wird zu Ehren der Lehrer gefeiert. Alle Eltern waren anwesend und die Lehrerinnen hatten ein kleines Programm (Tänze, Aufsagen von Reimen, Reden) vorbereitet. Lehrerinnen, Schulleitung, Erzieherinnen und wir als Gäste bekamen als Dank für das Engagement Geschenke und die traditionellen Kattas (Schals) umgehängt. Zoobesuch Am 24. September fand ein Schulausflug statt. Der Zoo gewährte uns freien Eintritt und stellte Lunchpakete zur Verfügung. Für die Kinder war es ihr erster Zoobesuch. Wir wurden von einigen Eltern begleitet, so dass der halbstündige Fußweg und die Betreuung im Zoo gewährleistet waren. Alle Kinder waren völlig fasziniert von den Bären, Tigern, Leoparden, Pandabären, Fischen, Papageien, usw. Es war ein herrlicher Tag für alle Beteiligten. Es blieb die Idee, den Schulausflug zu einem festen Bestandteil jedes Schuljahres zu machen. Dezember 2010 Am 10.12.2010 wurden Eltern und Kinder zur Weihnachtsfeier und Zeugnisübergabe mit Preisverleihung eingeladen. Zuerst gab es ein kleines Unterhaltungsprogramm mit unterschiedlichen Darbietungen. Die Kinder trugen Reime und Tänze vor. Anschließend gab es die offizielle Zeugnisübergabe. Hier in Indien ist es üblich, dass die Klassenbesten vor dem Publikum geehrt werden. Zusaetzlich erhielt eine Schülerin eine besondere Auszeichnung: Sie war jeden Tag anwesend. Natürlich bekamen auch die anderen Kinder ein kleines Geschenk für die gute Mitarbeit und den regelmäßigen Schulbesuch überreicht. Winter in Darjeeling In Darjeeling haben Schulen und öffentliche Einrichtungen in den Wintermonaten geschlossen, da es ohne Heizung einfach zu kalt wäre, Unterricht zu erteilen. Familien, die eine Bleibe (Zweitwohnung, Unterkunft bei Verwandten) im Tiefland haben, verbringen die Wintermonate oft dort. Von Anfang Dezember bis Anfang März gibt es Winterferien und die St. Anthony’s School bleibt geschlossen. Zum Seitenanfang